Seit dem Reformationstag: Luther-Figur in der Bibelgalerie
Sie ist in Meersburg eingetroffen und seit dem Reformationstag, 31. Oktober, in der Bibelgalerie zu bewundern: eine der bunten Luther-Figuren des Künstlers Ottmar Hörl, die für vier Wochen auf dem Wittenberger Marktplatz installiert waren.
Während der Restaurierung des weltberühmten Luther-Denkmals in Wittenberg sollten die 800 Skulpturen in den Farben Moosgrün, Kobaltblau, Purpurrot und Schwarz unter dem Motto „Martin Luther – Hier stehe ich…" zur Auseinandersetzung mit den Ideen der Reformation anregen.
Seit April 2010 stand das von Johann Gottfried Schadow entworfene und den Wittenberger Marktplatz prägende Lutherdenkmal von 1821 nicht mehr an seinem Ort. Bereits im Jahr zuvor entstand die Idee, den für öffentlichkeitswirksame Installationen bekannten Künstler Ottmar Hörl (60) für ein Kunstprojekt nach Wittenberg einzuladen. Ottmar Hörl wurde 2003 mit seiner Installation von 7.000 Dürer-Hasen auf dem Nürnberger Hauptmarkt bekannt.
"Hier stehe ich und kann nicht anders": Mit diesem Satz soll Martin Luther seine Rede beendet haben, nachdem er 1521 vom Wormser Reichstag aufgefordert wird, seine Schriften zu widerlegen. In der Bibelgalerie ist die Skulptur bis zum Jahresende im „Wort-Raum" zu sehen – unmittelbar neben einem Erstdruck des Sendbriefes vom Dolmetschen des Reformators mit dem berühmten Satz: "… Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen...".
Respektvoll erinnern
„Die für die künstlerische Installation entwickelten Luther-Figuren resultieren aus der bildhauerischen Konzeption von Schadow", sagt Hörl. Seine Statue von Martin Luther sei in Deutschland das erste öffentliche Denkmal für eine Persönlichkeit mit bürgerlichem Hintergrund gewesen. Für die Arbeit in Wittenberg wollte Hörl keine neue Luther-Figur erfinden, sondern an etwas bereits Vorhandenes respektvoll erinnern. Er sei der Ansicht, sowohl die Figur von Schadow als auch die Thesen von Luther nicht künstlerisch neu interpretieren zu müssen.
„Martin Luther war sich über die Fehlbarkeit der Menschen bewusst", so der Künstler. Sich als Heiligen oder als Denkmal zu stilisieren wäre für ihn undenkbar gewesen. Mit Kritik geht Hörl selbstbewusst um: „Luther hätte sehr schnell verstanden, was ich hier mache - und zwar eher als viele andere", sagte er dem Onlineportal evangelisch.de. Mit der seriellen Vervielfältigung der Luther-Statue unterstreicht Hörl nach eigener Darstellung Luthers Rolle als Übersetzer, die zu seiner Zeit überhaupt erst mit der Erfindung des Buchdrucks wirken konnte.
Ralf Thomas Müller
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